Die traditionellen Reiki-Symbole

Reiki-Symbole

Als Mikao Usui (1865-1926) nach seiner dreiwöchigen Meditation aus dem Gebirge des Kurama-Berges herabstieg, gründete er die japanische Heilmethode namens Usui Reiki Ryoho 臼井靈氣療法 (moderne Schreibweise: 臼井霊気療法). Auf Deutsch ist das die Methode der natürlichen Heilung nach Usui. Diese spirituelle Methode (japanisch reiho 靈法), wie sie auch auf dem Gedenkstein benannt wird, wurde im Westen vornehmlich unter dem Namen Reiki bekannt. So ist mit Reiki sowohl die Methode als solches wie auch die Reiki-Kraft als spirituelle Lebensenergie gemeint. Mit der Reiki-Kraft werden spirituelle Lebensenergien über die Hände übertragen, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und den Geist sowie die Seele zu heilen. Die Reiki-Symbole des Mikao Usui erweitern die Reiki-Fähigkeiten des Handauflegens und der spirituellen Heilung mit Reiki für Körper, Geist und Seele erheblich. So sind die Reiki-Symbole die Werkzeuge für eine Vielzahl von Reiki-Anwendungen.

Die Reiki-Symbole sind somit von Mikao Usui implementierte Werkzeuge zur einfachen Anwendung und effektiven Energiearbeit mit Reiki. Mikao Usui hat sie so geschickt mit eingebettet, dass sie an jedem Ort ohne weitere Hilfsmittel angewendet werden können. Sie sind die Brücke zu den Heilsgestalten, die mit Reiki zusammenarbeiten und inhaltlich für Funktionen und Wirkungen, die in ihren Mantras verborgen sind. Die Symbol-Anwendungen öffnen ein Tor, die Kraft der Reiki-Heilsgestalten einzuladen. Das Besondere dabei ist, dass die Reiki-Symbole rein energetischer Natur sind und auch nur in dieser lebendigen Form eine Wirkung zeigen können. Das ist ähnlich wie ein akustisches Symbol, das nur erfahren werden kann, wenn der Klang erschallt, nicht aber wenn der Klang einfach nur auf ein Blatt Papier geschrieben wird. Die subjektive Wahrnehmung am eigenen Leib und die objektive Beobachtung der Wirkungen machen die Reiki-Symbole erfahrbar und begreifbar.

Überblick über die Reiki-Symbole

Das erste Symbol zur Kraftverstärkung mit dem Mantra Choku rei stammt aus dem Shintôismus (japanischen Schamanismus) und Shugendô 修験道 der japanischen Bergasketen Yamabushi 山伏. Das zweite Symbol (SHK) zur Mentalheilung mit dem Mantra Sei heki kommt aus dem japanischen Esoterischen Buddhismus der Schulen Shingon 真言 und Tendai 天台. Das dritte Symbol (HS) mit dem Mantra Hon sha ze shô nen zum Fernkontakt stammt aus dem magischen Daoismus und das vierte Symbol (DKM) zum Lehren von Reiki namens Dai kômyô aus dem Buddhismus.

Die Reiki-Kanji im Sinne eines Reiki-Symbols

Der Reiki-Begriff ist das „geheime“ fünfte Symbol, das die Wirkung und Arbeit mit Reiki beschreibt. Es gibt einerseits die Qualität der Energie an. Andererseits ist es aufgrund seiner Kanji (chinesische Schriftzeichen, die in die japanische Sprache übernommen wurden) gleichzeitig ein Symbol. Man könnte nun stutzen, da doch im Allgemeinen bekannt ist, dass diese Kanji lediglich ein Mittel der schriftlichen Kommunikation sind. Schaut man jedoch auf die Geschichte und Entwicklung der chinesischen Schrift, so wird deutlich, dass die Urform dieser Schrift zugrunde liegenden Zeichen einst für Rituale Verwendung fanden, wie man es auf alten chinesischen Ritual-Bronzen deutlich sehen kann. Ursprünglich sind es heilige Symbole für den reinen Ritualgebrauch. Erst viel später hat sich aus diesen Symbolen eine Schrift entwickelt. Die alten Zeichen dieser Schrift haben bis heute die Wirkkraft von Symbolen, vorausgesetzt man hat gelernt, damit richtig umzugehen.

Mikao Usui selbst hat für Reiki immer die alten Schriftzeichen benutzt, da nur in ihnen die volle symbolische Kraft enthalten ist. Durch die Entschlüsselung der Zeichen/Reiki-Symbole rei und ki lässt sich begreifen, was Reiki = „Spirituelle Lebensenergie“ eigentlich bedeutet.

Hier geht es zu der Bedeutung der Reiki-Schriftzeichen.

Über das Wirken der Reiki-Symbole

Damit die Reiki-Symbole mit den dazugehörigen Mantras funktionieren, d.h. eine Wirkung zeigen können, gibt es bestimmte Voraussetzungen.

Die Hauptgrundlagen sind die traditionellen und korrekten Einweihungen in den 1. und 2. Grad Reiki. Im 1. Grad Reiki wird die Fähigkeit übergeben, mit den Händen die Reiki-Kraft zu übertragen. Dies geschieht durch die vier Reiki-Einweihungen, die einen Abstand von mindestens 3 Stunden und maximal 23 Stunden haben sollten. Wird die Zeit unter- oder überschritten, fehlt eine Teileinweihung zum Teil oder ganz, kann Reiki nicht optimal übertragen werden bzw. verschwindet nach einer Weile wieder.

Im 2. Grad Reiki gibt es dann eine Einweihung in die drei ersten Reiki-Symbole. Das Meistersymbol folgt zum Meistergrad mit entsprechender Meistereinweihung. Letztere ist zum Unterrichten von Reiki gedacht. Zum Anwenden der drei ersten Reiki-Symbole reicht der 1. und 2. Grad völlig aus. Die in allen Einweihungen verwendeten Reiki-Symbole und Mantras und die Reiki-Symbole und Mantras, die im 2. Grad eingeweiht werden, müssen in einer ununterbrochenen Linie zurückgehend auf Mikao Usui vom Lehrer zum Schüler korrekt und ohne jegliche Abweichungen übertragen worden sein.

Im nächsten Schritt bedarf es der entsprechenden Ausbildung im Umgang mit Reiki und den Symbolen. Je besser die Schulungen sind, desto mehr Nutzen bringen die Reiki-Symbole.

Wenn diese Grundvoraussetzungen erfüllt sind, liegt die Verantwortung, ob die Symbole im Einzelfall funktionieren, bei denen, die Reiki und die Symbole anwenden.

Alle Reiki-Symbole haben in ihrer Anwendung gemeinsam, dass sie erstens korrekt gezeichnet und gleichzeitig visualisiert, und zweitens über das richtige Mantra aktiviert werden müssen. So wird ein Reiki-Symbol rituell durch diesen Prozess immer wieder neu hergestellt. Und gerade durch diesen Prozess wird entschieden, wie wirkungsvoll der Synergie-Effekt des Symbols auf den Anwender ist.

Durch die bewusste Nutzung der Reiki-Symbole hat der Anwender nämlich die Möglichkeit, auf verschiedenen Ebenen zu wachsen. Gerade durch das rituelle, langsame, bewusste und aufmerksame Zeichnen der Reiki-Symbole entwickelt sich zum Beispiel die feinstoffliche Wahrnehmungsfähigkeit immens.

Das Reiki-Symbol der Kraftverstärkung

Das Kraftverstärkungssymbol hat das Mantra Choku rei 直靈. Das bedeutet, dass das Spirituelle direkt in Erscheinung tritt.

Das Kraftverstärkungssymbol taucht erstmals im Engi Shiki auf, ein im Jahre 927 von Gelehrten zusammengestellter Text, in dem viele shintoistische Rituale am alten Hof des Tennôs beschrieben werden. Dort wird im Kapitel über Ritualgebete für Heilsgestalten die Anwendung des CR-Symbols sehr detailliert beschrieben.

Das Kraftverstärkungssymbol wird in Reiki-Anwendungen zur Verstärkung der Reiki-Kraft und immer in Kombination den anderen Reiki-Symbolen verwendet. Letzeres hängt mit der Eigenart des dieses Symbols zusammen, dass es Lebensenergien auf einer Seite einzieht und auf der anderen Seite gebündelt abgibt. Damit ist es dann möglich, dass bei der Fernheilung bzw. Mentalheilung Reiki genau da ankommt, wo es hin soll.

Das Reiki-Symbol der Mentalheilung

Als die buddhistische Lehre nach jahrhundertelanger mündlicher Überlieferung in der klassischen indischen Sprache Sanskrit niedergeschrieben wurde, verwendete man die alte indische Siddham-Schrift als Alphabet. Die so entstandenen heiligen Texte des Buddhismus nennt man Sûtras in der Schrift des Devanagiri, die sich aus den Siddham wie über 100 weitere Schriften entwickelte.

Reiki-Symbole Ursprung - Siddham Hrih

Reiki-Symbole – Siddham Hrih mit Flamme und Lotus Creative Commons Lizenzvertrag

Ähnlich wie in der oben beschriebenen chinesischen Schrift wurden die Siddham ursprünglich für Rituale verwendet. In diesem Fall spricht man von Siddham- oder Bîja-Symbolen. Diese Symbole stammen aus der vedischen Religion und wurden von den damaligen spirituellen Medien und Schamanen von dem Gott Brahmâ gehört und im Veda etwa 1200-600 v. Chr. niedergeschrieben. Diese bilden die Basis für die Entwicklungen des Esoterischen Buddhismus, in dessen Zusammenhang sie über China/Korea nach Japan kamen. Sie sind dort als Symbole für Rituale der Heilung historisch bekannt.

Auf der Suche nach Reiki hat Mikao Usui im Laufe seiner Forschungen Bekanntschaft mit den Siddham gemacht und für die Heilung des Geistes das Mentalheilungs-Symbol auf Reiki abgestimmt und dann in sein Heilungssystem eingebunden. Er besaß durch seine jahrzehntelangen spirituellen Studien die Fähigkeit, Reiki-Symbole für praktische Energiearbeit auf eine ganz bestimmte Weise nutzbar zu machen. Dabei benutzte er eine alte daoistische Methode der Talisman-Symbolherstellung, die schon sehr früh in Japan in den Shingon-Buddhismus aufgenommen wurde. Damit konnte er gewährleisten, dass die Wirkung und Funktion des Symbols die Selbe bleibt und seine Schüler das Symbol auf sehr einfachem Wege benutzen können.

Die Siddham sind im rituellen Kontext immer eine Entsprechung von Heilsgestalten. Mit dem Mentalheilungs-Symbol wird im Reiki die Mental- oder Geistheilung durchgeführt. Es gehört zu den wenigen Siddham, die gleich mehrere Heilsgestalten repräsentieren. Dieses Siddham heisst HRIH. Zu dem Siddham Hrih gibt es im Shingon Reiki Fortbildungsseminare für Reiki-Anwender und Meister:

Mit der Reiki-Mentalheilung können auf den Menschen Leid bringende Gewohnheiten in der Mentalebene aufgelöst und eine sinnvolle, auf das Hier und Jetzt ausgerichtete Neuorientierung eingeleitet werden.

Warum gerade das Mentalheilungs-Symbol dafür besonders gut geeignet ist, lässt sich begreifen, wenn man das ursprüngliche Siddham, wie es in den Sûtras beschrieben wird, analysiert. Es kann in die Siddham ha, ra, i und ah aufgeschlüsselt werden. Jedes einzelne Siddham hat sowohl eine ganz eigene Bedeutung, als auch eine eigene praktische spirituelle Funktion. Die eben genannten Siddham zusammen haben die Wirkung, Anhaftungen des Geistes durch so genannte Störgefühle wie Neid, Zorn, Eifersucht, Habgier und Illusionen aufzulösen. Auf das Mentalheilungs-Symbol bezogen bedeutet dies, dass die dem Glück, der Gesundheit und der Zufriedenheit hinderlichen Gewohnheiten geheilt werden.

Das Reiki-Symbol des Fernkontaktes

Das Reiki-Fernkontakt-Symbol wird vornehmlich für die Fernbehandlung und Kontaktaufnahme zu anderen und als Reiki-Kraft-Quelle benutzt. Hierbei handelt es sich um ein Konglomerat aus den fünf zusammengefügten chinesischen Schriftzeichen mit dem Mantra Hon sha ze shô nen. Dies ist ein Satz im klassischen Chinesisch und bedeutet: „Die den Menschen innewohnende ursprüngliche Essenz ist das Buddha-Bewusstsein“. Oft hat Mikao Usui seine Schüler auf diese Weisheit aufmerksam gemacht, indem er ihnen sagte: „Mensch Krone der Schöpfung, kehre zurück zu deinem natürlichen Zustand“.

Das Fernkontakt-Symbol hat die Form einer stilisierten Pagode (Weiterentwicklung einer Stupa – dem Grab des Buddha). Die ausschweifenden Linien entsprechen den einzelnen Etagen-Dächern. Wie bei einer Pagode zieht sich durch das Fernkontakt-Symbol eine zentrale Säule (jap. shinbashira = Herzsäule). Die letzten drei Striche des Fernkontakt-Symbols sind eine Abkürzung für das Kanji „spirituelles Herz“. Unter der „Herzsäule“ ruht das wichtigste Ritualobjekt der Pagode, und zwar die Reliquie des historischen Buddha sowie weitere heilige Kultgegenstände, die, einfach ausgedrückt, dafür sorgen, dass der Buddha und seine Energie, also das „Buddha-Bewusstsein“, gegenwärtig sind.

Die Pagoden des Esoterischen Buddhismus stellen ein dreidimensionales Mandala mit dem Großen Sonnenbuddha (Dainichi Nyorai) im Zentrum dar. Er ist die Quelle von Reiki und erleuchtet über das Mandala den gesamten Kosmos. Somit ist er aus buddhistischer Sicht quasi überall, weil sein Leuchten ein Teil von ihm ist. Über das Fernkontakt-Symbol als Quelle von Reiki wird er erreichbar. Über sein hellstrahlendes Licht, das wie gesagt überall hinstrahlt, ist jeder Ort erreichbar, was mit dem Fernkontakt-Symbol die Fernkontaktaufnahme ermöglicht. Dieses hellstrahlende Licht ist das Reiki-Meistersymbol „Daikômyô“.

Das Fernkontakt-Symbol ist kein übernommenes Symbol wie das Kraftverstärkungssymbol, sondern eines, das Usui mit einer magisch daoistischen Methode der Talismanherstellung geschaffen hat. Diese Methode hat der chinesische Daoist Ge Hong im 4. Jh. in seinem Kompendium über daoistische Praktiken (chin.: Sanhuang nei wen) beschrieben. Mikao Usui hat dies mit buddhistischen Inhalten gefüllt, wie es in Japan in der Geschichte und Literatur immer wieder zu sehen ist. Durch diese kreative Verbindung unterschiedlicher spiritueller Methoden war es ihm möglich, ein maßgeschneidertes Symbol mit einer ungeheuren Menge an zusammenhängenden Bedeutungsebenen zu schaffen, das gleichzeitig ein in seinem System funktionierendes Werkzeug der Energiearbeit ist.

Das Reiki-Meister-Symbol

Das Reiki-Meister-Symbol besteht aus den drei Kanji dai, kô und myô 大光明, die anders als beim Fernheilungs-Symbol getrennt geschrieben werden. Zusammen bedeuten die drei Kanji „Großes Licht“ oder „Große Erleuchtung“. Das Meister-Symbol steht in engem Zusammenhang mit dem Großen Sonnenbuddha Dainichi Nyorai 大日如来. Wie das Fern-Symbol auch, ist die Aussprache der drei Kanji im Meister-Symbol buddhistischer Natur. So wie das Meister-Symbol im Reiki geschrieben und gesprochen wird, wird es auch in den Sûtras des Buddhismus beschrieben. Es handelt sich hier um die spirituelle Essenz des Danichi Nyorai, der beides, das Weibliche und das Männliche, verkörpert, wie es in den Texten und Mandalas des Esoterischen Buddhismus und Daoismus erklärt wird.

Die Sonne steht im Daoismus für das männliche Prinzip yang, und der Mond für das weibliche Prinzip yin. Das entspricht dem buddhistischen Mandalas der zwei Welten von Mutterschoß- und Diamant-Welt. Beide sind in dem letzen Kanji des Meister-Symbols vereint. Es ist wie das Zusammenkommen von Gott und Göttin bzw. Himmel und Erde wie in den Reiki-Schriftzeichen beschrieben.

Das Meister-Symbol wird vornehmlich für die Einweihungen in alle drei Grade benutzt. Der Reiki-Meister ist dem Großen Sonnenbuddha gegenüber empfangend (yin), der über das Meister-Symbol wirkt und den Einzuweihenden gegenüber gebend (yang). Symbolisch wird der Reiki-Meister zum Schamanen wie in den Reiki-Symbolen beschrieben. Jedoch wird hier weniger um gesegnetes Wasser als um den Segen der „Spirituelle Lebensenergie“ für ein Wesen gebeten.

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