Quellen des Mikao Usui im Shingon Reiki

Die Quellen des Mikao Usui

Sowie über die Reiki-Forschungen zu Tage gekommen ist, dass die Quellen, aus denen Mikao Usui selbst geschöpft hat, eine Reihe spiritueller Traditionen beinhaltet, so sind diese ebenso in den Stil des Shingon Reiki mit eingeflossen. Basis bildet selbstverständlich weiterhin das traditionelle Usui-Reiki.

Tantrischer Buddhismus im Shingon Reiki

Der Tantrische Buddhismus ist die dritte große Entwicklung in der Geschichte des Buddhismus. Der ursprüngliche Buddhismus ist das kleine Fahrzeug und heißt Hinayana oder Theravada. Vereinfacht gesagt, geht es dort um den achtfachen Pfad zur Erleuchtung und um die Meditation der Achtsamkeit und Einsicht namens Vipassana.

Die darauf aufbauende Entwicklung ist das große Fahrzeug, der Mahayana Buddhismus. Dort kommen zu den genannten Lehren und der Praxis, vereinfacht ausgedrückt der Bodhisattva-Gedanke hinzu. Dies bedeutet, dass man selbst auf die eigene Erleuchtung verzichtet, bis man alle anderen Wesen ebenfalls auf den richtigen Weg geholfen hat. Mitgefühl und Weisheit spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Die dritte Entwicklung ist schließlich das geheime Fahrzeug, der Tantrayana Buddhismus. Tantra bedeutet geheim und verborgen. Dort kommen nun zu den genannten Fahrzeugen ausgeklügelte Meditationen, Kontemplationen und Rituale mit einer Vielzahl von Möglichkeiten und Wirkungen hinzu. Diese stellen effektive Werkzeuge der Mysterien von Körper, Rede und Sinn (Geist) dar. Dabei wird mit Mantras, Siddham, Mandalas, Yantras und Sanmaya-Formen die Kraft etlicher Heilsgestalten über Symbole in die Rituale gerufen.

Laut der Inschrift auf dem Gedenkstein des Mikao Usui, ist das primäre Ziel der Reiki-Heilmethode, mit Hilfe von Meditationen (geistige Übungen), übersinnliche Fähigkeiten der Naturbegabung (Siddhi) zu erlangen. Dann ist es wichtig, die Hilfsbedürftigen zu unterstützen und ein Leben in Wohlstand anzunehmen. Dies wiederum geschieht mit der Buddhistischen Heilkunst des Tantrischen Buddhismus.

Mikao Usui selbst war Mönch des Tantrischen Buddhismus der Tendai Schule. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass in der Inschrift auf dem Gedenkstein bei seinem Grabe bezüglich der spirituellen Entwicklung und Praxis mit der Reiki Heilmethode, Bezug auf die Inhalte des Tantrischen Buddhismus aufgezeigt wird.

Der Zusammenhang zu den Wurzeln des Reiki ist auf der Reise der Reiki-Heilmethode in den Westen weitgehend verloren gegangen und kam erst durch die Reiki-Forschung wieder ans Tageslicht.

Diese alte und doch neue Verwandtschaft zwischen Reiki und dem Tantrischen Buddhismus ist heute ein wichtiger Bestandteil des Shingon Reiki. Die bedeutet, dass in die Seminare im Shingon Reiki aus der Buddhistischen Heilkunst Meditationen, Rituale Heilung und geistige Übungen zur Entwicklung außersinnlicher Fähigkeiten mit eingeflossen sind. So werden schon ab dem 1. Grad Shingon Reiki einfache, jedoch gleichzeitig höchst effektive Techniken des Tantrayana geübt. In jedem weiteren Shingon Reiki Seminar, sei es der 2. Grad, die Fortbildung oder gar der Reiki-Meister, kommen weitere solcher Inhalte hinzu. Das schöne daran ist, dass die Inhalte des Tantrischen Buddhismus im Shingon Reiki, aufgrund des sich regelmäßig wiederholenden Aufbau der Grundtechnik, einfach erlernbar und anwendbar ist.

Schamanismus und Magie im Shingon Reiki

Japan ist ein Land, welches über die japanische Kulturgeschichte gezeigt hat, dass es immer wieder neue kulturelle Einflüsse aus dem Ausland in sich aufgenommen hat, ohne die alte Kultur und Religion zu verwerfen.

So gibt es ursprünglich in Japan einen indigenen Schamanismus und Volkszauberei, der sich bis in die Jômon-Kultur (ca. 10.000 v. Chr. bis etwa 300 n. Chr.) zurückverfolgen lässt. In dieser Zeit sind offenbar auch die japanischen Pyramiden entstanden. Zumindest seit dem vierten Jahrhundert muss es einen regen Austausch zum chinesischen Festland gegeben haben, da die Hügel-Gräber der Kofun-Zeit (ca. 300-538) das chinesische Fengshui aus dem schamanisch-magischen Daoismus zum Vorbild haben. Daran lässt sich erkennen, dass der japanische Schamanismus schon sehr früh Elemente des chinesischen Schamanismus übernommen hat.

Daraus entwickelte sich schließlich der japanische Schamanismus namens Shintô. Was soviel bedeutet wie „der Weg der Götter“. Die Grundidee dabei ist, dass jeder Baum, jeder Stein, jeder Fels, jeder Fluss und so weiter beseelt ist. So ist der japanische Schamanismus in einem großen Umfang eine Verehrung der Natur und aller Lebewesen.

538 (oder 552) wurde dann über Korea der Buddhismus nach Japan eingeführt. Anstelle nun die alten Götter zu verwerfen, wurden diese, neben den Buddhas, gleichzeitig verehrt. Dies führte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zu Kombinationen der spirituellen Lehren, die als Synkretismus bezeichnet werden.

Eine davon ist die Entwicklung des „Weges der Bergasketen“ namens Shugendô. Darin sind Schamanismus, Magie, chinesischer Daoismus und der Tantrische Buddhismus enthalten. Zufälligerweise ist der Kurama Berg ein spirituelles Zentrum für die Praktiken aller oben beschriebenen spirituellen Wege des Tantrischen Buddhismus, Shintô und Shugendô. Daher tauchen auf dem Weg zum Gipfel immer wieder Bauwerke und Tore des Buddhismus und Shintô nebeneinander auf. Genau genommen ist der Kurama Berg nicht nur ein Berg, sondern ein großes Areal von vielen Bergen und Hügeln, das sich insgesamt Kurama nennt. Hält man sich hinter der bekannten Gegend weiter Nordlicht, Trainingsgebiet des Shugendô. Dort gibt es einen Felsen mit einer Steilwand, an dem sich jeweils zwei Asketen ein Seil an die Füße binden. Während der eine auf dem Berg sitzt und mit seinem Fuß das Seil festhält, lässt der andere Asket sich kopfüber die Steilwand herunter hängen. Dabei hält er die Hände in Gasshô und betet zu den Tengu, den Waldgeistern mit langer Nase, damit diese seine Illusionen fressen mögen.

Nicht unbedingt diese Praxis, jedoch Elemente aus dem Shintô, Shugendô und Daoismus finden sich in den aus der Usui Reiki Ryoho Gakkai überlieferten traditionellen Reiki-Techniken wieder. Diese Inhalte sind in das Shingon Reiki mit eingeflossen, das sie zu den Quellen gehören, aus denen Mikao Usui selbst geschöpft hat.

In allen Shingon Reiki Graden und Seminaren gibt es schamanische Elemente der traditionellen energetischen Reinigung (Purifikation), Energieaufnahme, Zirkulation und Rituale in Verbundenheit mit der Natur sowie den Spirits der Natur. So gibt es im 1. Grad Shingon Reiki bereits ein Erdheilungs-Ritual und die Möglichkeit der Fernheilung ohne Symbole.

Usui Reiki Ryôhô im Shingon Reiki

Mikao Usui hat seine Heilmethode Usui Reiki Ryôhô genannt. Das bedeutet Usui Reiki Methode der natürlichen Heilung. Diese beinhaltet seine Lehre und Praxis im Original, wie sie bis heute in der von ihm gegründeten Reiki Gesellschaft namens Usui Reiki Ryôhô Gakkai (kurz: Reiki Gakkai) bis heute praktiziert und gelehrt wird. Leider ist es so, dass die Mitglieder und Lehrer der Reiki Gakkai ihr Wissen und ihre Erfahrung nicht an Nichtmitglieder weitergeben dürfen. Dennoch ist das Originalwissen durch einige wenige Kanäle nach aussen gewandert. Zudem gibt es einige offizielle Angaben über Reiki aus der Reiki Gakkai. Da ich selber Reiki-Meister für zwei japanische Reiki-Stile bin, ist dieses Wissen in Theorie und Praxis mit in das Shingon Reiki eingeflossen.

Usui Shiki Ryôhô im Shingon Reiki

Als Frau Takata die Reiki-Heilmethode im Westen verbreitete, nannte sie die Reiki-Heilmethode Usui Shiki Ryôhô. Das bedeutet Usui System der Natürlichen Heilung. Dies ist das im Westen am meisten verbreitete Reiki-System überhaupt. Da ich selber 1993 von Sigrid Fuhrmann in dieses System eigeweiht wurde, fusst die Grundlage des Shingon Reiki auf den Lehren von Frau Takata.

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Dieses Werk von Dr. Mark Hosak ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

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