Geschichte der Heilung in Japan

Geschichte der Heilung in Japan

Frühe schamanisch-magische Praktiken

Bis zur Überlieferung des Buddhismus spricht man in der Geschichte der Heilung in Japan von der vorbuddhistischen Heilung, die sich mit jeder Form der dämonologischen Medizin beschäftigte. Das bedeutet, dass man davon ausging, dass die Ursachen für Krankheiten übernatürlich seien. Von daher bestehen Prävention und Heilung aus magischen Praktiken, wie dem japanischen Besprechen und Rituale des Exorzismus. Letzteres sind insbesondere Rituale der Purifikation, mit denen die Ursachen von Besetzungen und Besessenheit von bösen Geister entfernt werden können und die Ursachen von Krankheiten wie die Wirkung schädlicher Flüssigkeiten durch etwa Blut und Leichen aufgelöst werden können.

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Inhaltlich befassen sich solche Rituale mit der Anwendung von Kräutern durch Einnahme oder Bäder in heißen Quellen. Da die japanischen Inseln quasi eine Vulkanlandschaft darstellen, gibt es über die japanische Inselkette zahlreiche heiße Quellen mit den unterschiedlichsten Konsistenzen, wie etwa Metalle oder Schwefel, die einen überlieferten Einfluss auf Körper und geist haben sollen. Demnach soll as Baden und Trinken schweisstreibende, abführende und emetische Wirkungen haben.

Bis heute gibt es in Japan Orte wie etwa der Berg des Fürchtens Osorezan 恐山, an denen überall heiße Dämpfe von Schwefel emporsteigen und sich ganz heiße, sumpfige Schlammquellen bilden, die vor sich her blubbern. Genau dort sind die alten Schamaninnen zuhause, die zu den Toten sprechen, um Informationen aus den Totenreichen zu übermitteln und Rituale der Heilung durchzuführen.

Daraus lässt sich schließen, dass die alten Praktiken weiter benutzt werden. Das ist ein Phänomen, welches sich durch die ganze japanische Geschichte zieht. Altes Wissen, welches sich als brauchbar erwiesen hat, wird niemals durch neue Methoden verdrängt sondern weiterhin praktiziert und mit neuen Kenntnissen kombiniert.

Einführung der buddhistischen Heilung nach Japan

Mit der Einführung des Buddhismus im sechsten Jahrhundert nimmt die Geschichte der Heilung in Japan einen Wandel. Neben buddhistischen Sutras und Skulpturen im Jahre 552 (538), ließ der Kaiser Kinnmei Tennô 欽明天皇 in Medizin, Divination und Astrologie studierte Personen aus Korea nach Japan kommen, die Schriften über Divination, Kalenderkunde und Kräutermedizin mitbrachten. Dabei ist anzumerken, dass ebenso Korea Medizin, Astrologie und Buddhismus aus China übernommen hat. Ab 630 ging man dazu über, zwecks kulturellem Austauschs direkt mit China in Kontakt zu treten.

Die bisher fremden buddhistischen Heilsgestalten, wie etwa Buddhas und Bodhisattvas, wurden von Anfang an als Wesen mit herausragenden Heilfähigkeiten angesehen, welche die Heilfähigkeiten der einheimischen Heiler übertrafen. Mit ihnen wurden buddhistische Rituale durchgeführt zum Schutz vor bösen Kräften und zum Abwenden von Unheil und Krankheiten; ebenso Rituale der Heilung. Im Jahre 608 entsandte die Kaiserin Suiko Tennô 推古天皇 junge medizinische Heiler nach China, um sie dort traditionelle chinesische Medizin kanpô 漢方 studieren zu lassen. Bei ihrer Rückkehr 622 waren sie in Begleitung buddhistischer Mönche. Von da an konnte in der Geschichte der Heilung in Japan, Medizin und Heilung von buddhistischen Mönchen systematisch studiert werden, so dass es zu einer Optimierung der japanischen Heilmethoden kam.

Dabei lag der Hauptfokus in der buddhistischen Heilung, auf den Heilkräften des Medizinbuddhas Yakushi Nyorai 薬師如来. Im Jahre 680 ließ der Kaiser Tenmu Tennô 天武天皇 den Tempel des Medizinbuddhas Yakushiji 薬師寺 erbauen. Mit buddhistischen Ritualen sollten nun schädliche Kräfte abgewehrt und Krankheiten sowie deren Ursachen geheilt werden.

Systematisierung der Heilung in Japan

Im achten Jahrhundert wurde in Japan damit begonnen, einen zentralisierten Staat nach dem Modell von Tang-China (618-907) aufzubauen. Im Yôrô Kodex 養老律令 wurden die Vorschriften für die Heilung von Krankheiten und das japanische Gesundheitswesen mit medizinischen Ämtern, Bereichen und das Studium der Disziplinen organisiert.

Demnach umfasste die Medizin i 醫 innere Medizin, Chirurgie für die Behandlung von Wunden und Geschwüren, Kinderheilkunde, Heilkunde für Ohren, Augen, Zähne, Mund- und Rachenraum, Akupunktur, Moxibustion, Massage, Zaubersprüche und Kräuterkunde.

Die medizinische Versorgung für das Volk wurde weitgehend von buddhistischen Mönchen durchgeführt, weil die Klöster auf das ganze Land verteilt waren und es zudem zahlreiche Wandermönche gab. Allerdings war den buddhistischen Mönchen und Nonnen weitgehend verboten, schamanische Praktiken durchzuführen, es sei denn, es handelte sich um Rituale der Heilung durch Mantras, Beschwörung- und Bannformeln und Meditationen der Heilung.

Der tantrische Buddhismus in der Geschichte der Heilung in Japan

Mit der Einführung des tantrischen Buddhismus (auch esoterischer Buddhismus genannt) kommt es in der Geschichte der Heilung in Japan zu einer Erweiterung der buddhistischen Heilweisen, die schließlich zur Buddhistische Geistheilung führte.

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Mit der Rückkehr des Mönches Kûkai 空海 (774-835), posthum Kôbô Daishi 弘法大師 von seinem Studienaufenthalt aus China, zu Beginn des neunten Jahrhunderts, wurden die Heilkünste in der Geschichte der Heilung in Japan zunehmend von den Geheimlehren mikkyô 密教 der Shingon-Schule geprägt.

Der wichtigste Ritualtypus für die buddhistische Geistheilung ist Kaji 加持. bei dem es durch die Anwendung der Siddham und Mantras, im Rahmen kontemplativer Meditationen wie die Ajikan 阿字観 oder Gachirinkan 月輪観, zu einer Verschmelzung mit der Heilsgestalt kommt, so dass im eigenen Inneren das Herz der Erleuchtung bodaishin 菩提心 erkannt wird.

Für die Kaji Rituale, zur Heilung von Krankheiten und dem Schutz vor jedweder Form von Unglück, richtete Kûkai im Jahre 834 den Tempel Shingon-in 真言院 im Kaiserpalast ein.

In dieser Zeit übernahm der Mönch Saichô die Geheimlehren der Shingon-Schule in seine aus China nach Japan eingeführte Tendai-Schule, die bis dahin Zen-Meditation und Amida-Buddhismus zum Schwerpunkt hatte. In den folgenden Jahrzehnten wurden von dort etliche Mönche zum Studium nach China entsandt, die große Mengen an Material über die Siddham zur Buddhistischen Geistheilung nach Japan überlieferten.

Buddhistische Geistheilung in der Geschichte der Heilung bis heute

Seither wurde in der Geschichte der Heilung in Japan, das vorhandene Material über die Siddham studiert und japanisiert, so dass es zu weiteren Entwicklungen und Möglichkeiten kam.

Heute kann man buddhistische Geistheilung in einigen Tempel der Shingon- und Tendai-Schule in Japan erlernen. Besonders bekannt sind dafür die Berge Kôyasan 高野山 für die Shingon-Schule und Hieizan 比叡山 für die Tendai-Schule.

In Deutschland kann man die buddhistische Geistheilung im Shingon Institut Dr. Mark Hosak in Seminaren und/oder in der Ausbildungen zum Shingon Mönch und Buddhistischen Geistheiler erlernen.

Dr. Mark Hosak hat drei Jahre in Japan gelebt und dort buddhistische Geistheilung in den Tempeln erlernt. Zudem hat er über die Geschichte der Heilung, im Zusammenhang mit den Siddham in der japanischen Kunst und Ritualen der Heilung, seine Doktorarbeit geschrieben.

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Dieses Werk von Dr. Mark Hosak ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

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