Gedenkstein-Übersetzung von Meister Usui

Der Gedenkstein von Meister Usui

Übersetzung aus dem Japanischen von Dr. Mark Hosak

Der Gedenkstein des Lebenswerkes von Meister Usui, dem Begründer der spirituellen Methode.

Das in Stein geritzte Epitaph des Wirkens des Meisters Usui

Meister Usuis Gedenkstein-Inschrift - Übersetzung von Dr. Mark HosakEs wird gesagt, dass man den inneren Reichtum erreicht, wenn man das wahrhaftige Training der geistigen Übungen regelmäßig aufbaut. Es wird gesagt, dass die verdienstvolle Tat darin besteht, dass man den Weg des Unterrichtens, Initiierens und der Erlösung anderer von ihrem Leid hin zum Glück verbreitet, indem man draußen an allen erdenklichen Orten Veranstaltungen durchführt. Die Würde eines Lehrmeisters kann über Verdienste von großartiger und langjähriger Erfahrung sowie von überragender Aufrichtigkeit erlangt werden.

Von alters her überliefern die ehrenwerten gelehrten Weisen und Philosophen  kenntnisreiche Traditionen. Vermutlich war er wie einer all derer, die eine neue Schule gegründet haben.

Die spirituelle Lebensenergie (Reiki) des Universums lässt sich auf Meister wie Usui und auch jene, die Meister neuerdings geworden sind, zurückführen.

Anfangs hörte man von überall her, dass er eine Methode zur Verbessrung von Körper und Seele verbreitet. Auch wenn er sie nach Hause schickte, baten sie ihn gemeinsam um Unterweisung und um Heilbehandlung.

Woran mag es wohl liegen, dass er einen berühmten und glänzenden Ruf erhielt?

Der allgemein verwendete Name des Meisters ist Mikao, sein buddhistischer Name ist Gyôhan. Er ist in dem Dorf Taniai in dem Distrikt Yamagata in der Präfektur Gifu geboren, dessen Vorfahren auf Chiba Tsunetane (1118-1201) zurückgehen.

Der posthume Name des Vaters ist Taneuji. Sein allgemein verwendeter Name  ist Uzaemon. Der Familienname der Mutter ist Kawai. Der Meister wurde am 15. August des ersten Jahres der Keiô-Ära (7. April 1865 bis 8. September 1868) geboren.

Als er älter wurde, reiste er mit dem Schiff in den Westen und schlug sich geschickt durch China.

Im Laufe der Zeit stellte er Außergewöhnliches auf die Beine. Es entwickelte sich jedoch anders als erhofft. Obwohl er immer und immer wieder im höchsten Maße Niederlagen und Missachtung erlitt, gab er schlicht und einfach nicht auf. Er trainierte immer mehr, um es zu schaffen.

Eines Tages bestieg der den Kurama Berg. Er verzichtete auf Nahrung und führte harte und mühevolle asketische Praktiken durch. Am 20.-21. Tag spürte er plötzlich über seinem Nudalpunkt eine aufsehenerregende mystische Energie (Reiki). Mit einem Mal empfing er die Methode der natürlichen Heilung spiritueller Lebensenergie. Von da an probierte er dies am eigenen Leib aus.

Als der Meister dies an Familienmitgliedern erprobte, beobachtete er auf der Stelle den Erfolg. Anstelle alleine den Familienmitgliedern etwas Gutes zu tun, zog er in Betracht, die Leute weit und breit zu unterrichten.

Als er sich im Zuge dieses freudigen Ereignisses mit dieser Idee anfreundete, legte er im April des Jahres Taishô 11 (1922) seinen Wohnsitz nach Tôkyô Aoyama in den Stadtteil Harajuku.

Er stellte eine Akademie auf die Beine und unterrichtete die Reiki-Heilmethode. Er führte Behandlungen durch. Von nah und fern kamen sie herbei, um ihn zu ersuchen. Draußen sammelten sich die Schuhe vieler Menschen.

Im September des 12. Jahres (1923) ereignete sich eine Erdbebenkatastrophe mit einer Feuersbrunst. Das führte zu traumatischen Verletzungen und qualvollen Schmerzen. An den Orten, wo er etwas bewirken konnte, fühlte der Meister in tiefer Weise die Schmerzen. Bei Tagesanbruch brach er auf und wanderte in der Stadt umher. Unabhängig davon, dass er nicht wissen konnte, welchen Betrag er erhalten werde, hat er Patienten ohne Aussicht auf Bezahlung behandelt.

Unerwartet wandte er sich ihnen zu. Das Erretten aus der Gram unter widrigsten Umständen ist derart großartig, dass es seines Gleichen sucht.

Nachdem seine Trainingshalle zu eng geworden war, nahm er eine Weissagung als Anlass, im Februar des Jahres Taishô 14 (1925) außerhalb der Stadt in Nakano zu bauen.

Durch die zunehmende Verbreitung seiner Reputation in der Umgebung wurde er zu einem Mann, der aufgrund seines Rufs nicht selten eingeladen wurde. Der Meister nahm diese Aufforderungen an. Er ging nach Kure, dann schlug er den Weg nach Hiroshima ein und kam schließlich in Saga an.

Während seines Aufenthaltes in Fukuyama zog er sich unerwartet eine Krankheit zu und starb schließlich in einem Gasthaus. Das war am 9. März des Jahres Taishô 15.

Zum Zeitpunkt seines Todes war er 62 Jahre alt. Seine Ehefrau hieß mit Familiennamen Suzuki und mit Vornamen Teiko (Sadako) und brachte einen Jungen und ein Mädchen zur Welt. Er nannte seinen Sohn Fuji (buddh. Funi) und vererbte ihm sein Haus.

Der Meister war von seiner Persönlichkeit bescheiden und sanftmütig. Er legte keinen Wert auf seine äußere Erscheinung.

Er hatte einen großartigen Körperbau. Stets hatte er ein Lächeln auf dem Herzen. Wann immer etwas eine Angelegenheit betraf, zeigte er innere Stärke, war geduldig und bereitete sich mit äußerster Sorgfalt auf alles vor.

Er hatte von Natur aus Talent und handwerkliches Können. Er hatte eine Vorliebe für das Lesen und stöberte viel in auf historischen Aufzeichnungen gegründeten Biografien. In der medizinischen Fachliteratur sowie in buddhistischen Sûtras und in heiligen Texten des Christentums war er bewandert. Über die Bereiche über Kenntnisse des Seelenzustandes, Methoden von Einsiedlern mit übernatürlichen Kräften, Bann- und Beschwörungs-Magie mit Zauberformeln, Divination mit Orakelstäben bis hin zur Kunst, die Zukunft über die Antlitz-Diagnose vorherzusehen, gab es nichts, wo er sich nicht auskannte.

Aufgrund des Materials zum Training der geistigen Übungen entwickelte sich wahrscheinlich so die Lebensgeschichte des Meisters in Wissenschaft und Kunst. Es ist klar und offensichtlich, dass das Training geistiger Übungen Schlüssel und Loch zur Gründung der spirituellen Methode bildeten.

Rückblickend lässt sich bei dieser spirituellen Methode klarstellen, dass sie nicht allein auf das Behandeln von Krankheiten und schlechten Gewohnheiten beschränkt sein sollte. Der springende Punkt ist dabei, dass die übersinnlichen Fähigkeiten der Naturbegabung die Grundlage bilden, den Adepten dazu veranlassen, das spirituelle Herz zu vervollständigen, den Körper gesund zu halten und ein Leben in Wohlstand anzunehmen.

Daraus folgt, dass diese Person unterrichten soll, im Großen und Ganzen den Lehren des verstorbenen Meiji-Tennô folgen soll, die fünf Grundsätze (Lebensregeln) morgens und abends laut rezitieren soll und die Aufmerksamkeit in das spirituelle Herz lenken soll.

Erstens heißt es: Heute soll man sich nicht ärgern. Zweitens heißt es: Man soll nicht traurig sein. Drittens heißt es: Sei dankbar! Viertens heißt es: Widme dich deinem Karma! Fünftens heißt es: Gewöhne dich daran, wohlwollend gegenüber den Wesen und deiner Seele zu sein.

Dies ist wahrhaftig eine sehr wichtige Belehrung bei der Entwicklung der Geisteskraft. Dies ist der eine Weg, der von den Heiligen und Weisen alter Zeiten gelehrt wurde.

Wenn man Meister wird, soll man sie (die Lebensregeln) mit einer das Glück rufenden Geheim-Methode und einem spirituellen Heilmittel unzähliger Krankheiten vergleichen und ihre charakteristischen Eigenschaften an allen Orten bekannt machen.

Darüber hinaus geht es in dieser Sache nicht im geringsten um Erhabenheit sondern darum, die Kunst spirituellen Lehrens zu erreichen und sich dafür anzustrengen, den Inhalt auf verständliche Weise zu behandeln. Wenn du dich auf die Knie setzt, deine Aufmerksamkeit nach innen richtest, tief ein und ausatmest, die Hände vor dem Herzen zusammenlegst und morgens sowie abends (die Lebensregeln) rezitierst, entwickelt das einen reinen und gesunden Geist als Folge einer ausgewogenen und aufrichtigen Praxis.

Die Ursache ist schlicht, dass diese spirituelle Methode ebenfalls viele Personen erreichen soll. Das ist nicht allein der Wandel in der Anschauung des sich entwickelnden Fortschrittes der Ära der letzten Jahre.

Zum Glück soll man diese spirituelle Methode auf offene Weise verbreiten. Mit diesem von den Menschen in der Welt zu beschützenden Weg der Tugend und dem Willen des spirituellen Herzens der Menschen soll den Hilfsbedürftigen sehr viel geholfen werden.

Warum ist das so? Es geht selbstverständlich nicht nur um die erfolgreiche Heilung schwer heilbarer Leiden wie etwa Niedergeschlagenheit und chronischen Krankheiten.

Es sind etwa 2000 andere Personen Schüler des Meisters geworden. Diejenigen darunter, die im Gebiet der Hauptstadt seine herausragendsten Schüler sind, veranstalten Zusammenkünfte und führen die bedeutende Leistung fort. Und ebenso diejenigen aus der Umgebung weihen viele in diese Methode ein.

Obgleich der Meister fortgegangen ist, soll die spirituelle Methode für alle Zeitalter der Welt als Wegweiser verbreitet werden.

Der Meister empfing seinen berühmten und glänzenden Ruf aus sich selbst heraus. Oh, wie hervorragend und großartig ist das Weitergeben unter dem Himmel an andere!

Das in diesen Tagen so viele Samurai bei einem Meister lernten und Unterredung erhielten, führte dazu, einen Stein auf dem Friedhof des Saihôji im Distrikt Toyotama mit der Absicht zu errichten, dass diese Verdienste mittels eines buddhistisches Textes in unvergänglichen Versen verfasst werden sollten. An mich wurde die Aufgabe der Autorenschaft für den Text herangetragen.

Ich fühle mich in tiefer Weise berührt, dem herausragenden und verdienstvollen Werk des Meisters zu dienen. Die vielen Samurai preisen die innige Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler. Entschlossen habe ich die Aufgabe angenommen, eine Übersicht zu beschreiben.

Wir erhoffen uns, dass wir für die zukünftigen Generationen alles tun konnten, dass wenn sie ihn (den Gedenkstein) sehen, sie sich tief berührt fühlen, zu ihm aufschauen, ihn bewundern, ehrerbietig darüber sprechen und laut verkünden.

Februar des 2. Jahres (1927) der Shôwa-Zeit (1926-1989)

Verfasser – Okada Masayuki – Dr. für Literatur – Verdienstorden des unteren 3. Ranges 3. Klasse

Kalligrafie – Ushida Juzaburo – Konteradmiral des unteren 4. Ranges, 3. Verdienst-Grad der 4. Klasse

One Reply to “Gedenkstein-Übersetzung von Meister Usui”