Ajikan – Kontemplative Meditation des Siddham A

Ajikan ist eine Meditation des japanischen Buddhismus

Die Ajikan ist die wichtigste Meditation des geheimen japanischen Buddhismus der Shingon Schule, wird aber auch in anderen buddhistischen Schulen gelehrt und praktiziert. Der folgende Text ist eine Übersetzung aus dem Japanischen von Dr. Mark Hosak aus seinem neuesten Buch „Die Siddham in der japanischen Kunst in Ritualen der Heilung

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Seminare und Ausbildungen der Ajikan

Dr. Mark Hosak lehrt im Shingon Institut die Ajikan in buddhistischen Seminaren und Ausbildungen. Die Ajikan ist wie in Japan die Grundlage der Ausbildung zum Shingon-Mönch. Gleichzeitig ist die Ajikan das grundlegende Meditations-Ritual der buddhistischen Heilung in der Dissertation von Mark Hosak. Dafür hat er den Text Ajikan von dem Mönch Kakuban (1095-1143) übersetzt. Dabei handelt es sich um Erklärungen des Siddham A in Theorie und Praxis. Die Ajikan kann außerdem in dem Seminar Kuji Kiri 1 gelernt werden.

Die kontemplative Meditation des Siddhaṃ A in Ninnaji Band 1

von Kôgyô Daishi – Kakuban

Ajikan – Die kontemplative Meditation des Siddhaṃ A

Das Herz der Erleuchtung ist die kontemplative Meditation des Siddhaṃ A Ajikan.[18] Die kontemplative Meditation des Siddhaṃ A ist die Wahrheit des ursprünglich Nicht-Erschaffenen. Die Wahrheit des ursprünglich Nicht-Erschaffenen ist der Herzensgrund aller Buddhas. Der Herzensgrund aller Buddhas ist das wahre Kennzeichen der Erscheinungen und des Herzens aller fühlenden Wesen. Die Erscheinungen und das Herz aller fühlenden Wesen sind das Herz eines einzelnen Gedankens [eines jeden] von uns. Das Herz eines einzelnen Gedankens ist weder böse noch gut. Es ist das nicht erreichbare und affizierte Herz.

In der Brust gibt es im Quadratzoll ein achtteiliges Herz-Organ. Vor der Erleuchtung erscheint im Herzen ein achtblättriger Lotussockel. Auf diesem Lotussockel ist ein Siddhaṃ A. Das Siddhaṃ A verwandelt sich in eine Mondscheibe. Die Mondscheibe ist die Substanz, die das Herz der Erleuchtung in unserem Herzen aufsteigen lässt. Dieser wahre Gedanke in unserem Herzen ist nicht [nur] für alle fühlenden Wesen das gleiche Werkzeug, sondern auch die gefühllosen Pflanzen sind allesamt damit ausgestattet. Das grüne Gras und auch die Erscheinungen des weißen Nektars haben die Substanz des Siddhaṃ A. Wie sehr sich das Herz durch die fünf Bereiche des Körpers wandeln mag, das beständige wunderbare Gesetz wird im Lotussockel des Herzens beherbergt. Dieser Lotussockel ist der innere Geist, der die kontemplative Meditation des Siddhaṃ A beherbergt. Das ist so, weil das Siddhaṃ A die Form unseres Herzens annimmt.

Das, was man Herz nennt, ist das Gesetz. Das Gesetz ohne Kennzeichen ist ganz und gar so wahrhaftig, dass wir es als Klang im Herzen hören, wie das Erscheinen der Stimmen und Dialoge in unseren Ohren. Auch wenn man sagt, dass es den Klang gibt, erkennt man nicht seine wahre Substanz. Sagt man, dass seine wahre Substanz nicht da sei, gibt es einen Klang. Sucht man nach dem Aussehen des Klangs, sieht man nicht seine Form. Ob es da ist oder nicht, es ist ein wundersames Herz.

Wenn alle Gesetze das Schicksal aller lebenden Wesen sind, kann man sagen, dass das Herz im Grunde rein ist. Folgt man dem schlechten Wissen, erschafft man sich Leid. Folgt man einem guten Freund, erntet man Verdienste.

In unserem Herzen eines einzelnen Gedankens gibt es sowohl das Empfangen von Leid als auch das Empfangen von Freude. Aus diesem Grunde erleben die Menschen, die diese Wahrheit kennen, von selbst im Herzen die Wiedergeburt im Reinen Land. Wer an dieser Wahrheit zweifelt, schafft sich selbst eine Hölle] und empfängt das Leid vom Herzen. Sinnbildlich ist das wie der Faden, der von selbst aus dem Mund einer Seidenraupe kommt. Es ist so, als würde man den Körper selbst einwickeln und festbinden. Es ist das Gleiche, als würde ein Maler aus Unkenntnis von sich aus einen furchterregenden Dämon malen, vor dem er sich dann selbst fürchtet. Hölle und Reines Land werden an keinem anderen Ort als im eigenen Herzen erschaffen.

Folglich sind die Drei Welten im Lotus-Sūtra nur das eine Herz. Man kann sagen, dass es außerhalb des Herzens keinen anderen Dharma gibt. Sowohl Leid als auch Freude finden beide im eigenen Herzen statt. So wünscht man, sich schnell von den Dingen zu trennen, die man nicht leiden kann. Gutes wie Schlechtes werden vollständig im Herzen erschaffen. Welcher Mensch wünscht wohl solche Dinge, die er nicht leiden kann?

In diesem Sinne nennt man die Leerheit aller Dinge und Erscheinungen des Herzens der Erleuchtung kontemplative Meditation. Baut man Hallen und Pagoden, um Rituale durchzuführen, bezeichnet man das als die Form des Herzens der Erleuchtung. Zwischen diesen zwei [Formen] des Herzens der Erleuchtung siegt die Leerheit aller Dinge und Erscheinungen der kontemplativen Meditation.

Der geheime Schatz aller Buddhas ist nichts anderes als der Herzensgrund aller fühlenden Wesen. Daher kann mit der buddhistischen Lehre die sofortige Erleuchtung im eigenen Herzen erlangt werden. Diese Wahrheit kennend nennt man die kontemplative Meditation der Mondscheibe.

Der Mond hat drei Funktionen. Die erste ist die Tugend der Kühle. Das ist eine kühlende Tugend. Die zweite ist die Tugend des Lichts. Dies ist die Tugend, in der das Licht in die Finsternis kommt. Die dritte ist die Tugend der Reinheit. Dabei wird der Boden bis in die Unterwelt nicht befleckt und in der Oberwelt die Himmel der Freuden nicht erreicht. In dem Raum zwischen den Ober- und Unterwelten wird die Tugend der Reinheit beherbergt. Mit den drei Tugenden in unserem Herzen eines einzelnen Gedankens ausgestattet sein, hat als Vorteil die Heilung der drei Gifte.

Erstens löscht unser Herz alle üblen Taten der Begierden zwischen Geburt und Tod aus, wenn wir unsere wahre Natur als rein betrachten. Begierden sind der Wunsch nach dem Vermögen anderer. Die üble Tat besteht darin zu denken, dass die Dinge uns gehören. Zweitens löscht unser Herz die üblen Taten des Zornes zwischen den Drei Welten im ewigen Kreislauf von Geburt und Tod aus, wenn wir es als kühl betrachten. Der Zorn beschreibt die üble Tat des Sich-Ärgerns über andere. Drittens, betrachtet man im eigenen Herzen die Natur der Dunkelheit des Herzens, so werden die Begierden zwischen den Sechs Welten[] des Saṃsāra[22] abgewehrt, wenn wir sie als vergänglich betrachten. Die Begierden der Dummheit sind die Unkenntnis von Gut und Böse. Es ist das Herz, das zwischen Schwarz und Weiß nicht unterscheiden kann. Man hört nicht auf, der eigenen Verblendung Namen zu geben. Dies sind die Begierden der Unwissenheit, die das Herz eines einzelnen Gedankens nicht kennen.

Wie stark unsere Kraft auch sein mag, diese drei Gifte der Begierden abzuwehren, so ist die Schwierigkeit des Erkennens und die Schwierigkeit des Erwachens von Mensch zu Mensch verschieden. Für das Herz ist es nützlich, ein Beispiel zu kennen. Wenn man die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft harmonisch vereint, wird die Seele darin für eine Weile beherbergt. Verlieren sich die einzelnen Elemente in alle Himmelsrichtungen, kann man nicht mehr vom Körper eines fühlenden Wesens sprechen. Wenn man zum Beispiel u.a. Balken, das Dach tragende Querbalken, Dachsparren und Dachlatten zusammenfügt, kann man dies temporär als Haus bezeichnen. Bricht das Haus zusammen, kann man es nicht mehr ein Haus nennen. Es ist keine von einem Spirit bestimmte Form. Das ist wie ein sterbender Vogel, wenn er von einem Drachen zerrissen wird. Dieser Körper ist nicht das Ende des Selbst. Es ähnelt einem Haus ohne Besitzer. Die Form des Unveränderlichen sollte immer der Form des durch Ursachen Hervorgerufenen innewohnen.

Das ursprünglich reine Herz beherbergt die Mondscheibe. Die Mondscheibe ist das Siddhaṃ A. Das Siddhaṃ A ist ein einzelner Gedanke im eigenen Herzen. Ein einzelner Gedanke im Herzen ist der Atem wie er kommt und geht. Der Atem ist das Leben. Stirbt ein Mensch, nennt man dies die Unterbrechung der Lebensenergie. Daraus folgt, dass der Atem der Mondscheibe innewohnt und von durch Ursachen hervorgerufene Geburt und Tod getrennt ist. Darüber hinaus handelt es sich nicht um Leben und Tod. Überdies bezeichnet der Tod das Ende eines Körpers, der durch karmische Resultate wiedergeboren wurde. Geburt ist ein Begriff, der den Beginn karmischer Ergebnisse eines früheren Lebens erscheinen lässt. Geburt und Tod sind gleichzeitig die an einem Ort sich verwirklichenden karmischen Kräfte. Die karmischen Kräfte sind die Lehre des durch Ursachen Hervorgerufenen. Die Lehre des durch Ursachen Hervorgerufenen beschreibt den Anfang und das Ende. Die Geburt ist der Anfang. Der Tod ist das Ende. Auf die gleiche Weise verhält es sich, während die Lehre des durch Ursachen Hervorgerufenen sich erfüllt, während man unendlich in den Sechs Welten wiedergeboren wird und von Geburt und Tod nicht getrennt ist. Das ist folglich der Grund, warum wir das Herz der Erleuchtung eines einzelnen Gedankens nicht erkennen. Wenn der Tod als ein vollendetes karmisches Resultat im Herzen bleibt, wendet sich Kummer in Freude. In einem Text steht, dass die Zeit der Glückseligkeit dem Höhepunkt einer Feier gleicht, den man genau in diesem Moment verwirft. Alle Krankheiten begreifen und das Ende des Lebens erreichen ist eine Freude. Sich von allen Krankheiten lösen, ist wie ein helles Leuchten.

Die Trauer bei Geburt und Tod entsteht durch illusorische Gedanken. Kummer über Zusammenkommen und Trennung ist das Unwohlsein vor dem Zweifel. Solange wir das Siddhaṃ A der fühlenden Wesen und folglich des Herzens eines einzelnen Gedankens nicht kennen, gibt es auch kein wahrhaftiges Herz der Erleuchtung, obgleich man es sich wünscht. Auch wenn man gegen etwas eine Abneigung hegt, ist das nicht die wahre Befreiung. Das Handeln oder Nichthandeln vor der Illusion ist beides von Nachteil. Das, was es im Traum gibt oder nicht gibt, ist beides nichts. Sowohl in der gegenwärtigen Existenz, als auch im Traum ist der hauptsächliche Grund für das Nichterlangen der Erleuchtung im eigenen Herzen das Saṃsāra aller fühlenden Wesen. Wenn man in Ruhe an diese Wahrheit denkt, ist die Anzahl der aneinander gereihten Tage, die man sowohl mit gestern, als auch mit heute bezeichnet, die Zeit von nur einem einzelnen Gedanken. In der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist es wieder und wieder das gleiche. Daher wandeln sich die Worte für Vergangenes und Kommendes, sei es früher oder heute.

Die Drei Welten[23] sind der Zeitraum eines einzelnen Gedankens. Auch wenn man glaubt, dass es die Freuden in einem tausendjährigen Traum gibt, ist die Zeit bis zum Erwachen die eines einzelnen Gedankens. Auch wenn man im Traum eine Ewigkeit Askese betreibt, erscheint der Zeitraum vor der Erlangung der Erleuchtung in den niederen 50 Kalpas wie ein halber Tag. Deshalb hat Daishi[24] erklärt, dass mit dem Siddhaṃ A eines einzelnen Gedankens eine unmessbar lange Zeitspanne[25] übertroffen wird. Das ist bis zum Erlangen der Buddhaschaft eine extrem lange Zeit.

Denjenigen, denen ein einzelner Gedanke des Herzens der Erleuchtung des Siddhaṃ A unbekannt ist, folgen dem Weg des Buddhas unendlich viele Kalpas.[26] Auch wenn einige dieser Menschen sich von ganzem Herzen der Askese hingeben, bleibt das Erlangen der Buddhaschaft schwierig. Folglich siegt die kontemplative Meditationspraxis des formlosen einzelnen Gedankens in der unmessbaren Dauer der praktischen Askese. Aus diesem Grunde ist die unmessbare Dauer auch nur die Zeit eines einzelnen Gedankens. Wenn sich das Herz eines einzelnen Gedankens nicht von den Drei Welten unterscheidet, kann man weder von heute noch von früher sprechen. Diskutiert man die Dauer der Zeiten, so sind alle, ob lang oder kurz, das verwirrte Herz und das verwirrte Bewusstsein. Wenn man sich dem letzten einzelnen Gedanken nähert, kann man das Namu amida butsu nicht rezitieren, weil die Zeit außerordentlich kurz und die sechs ehrenvollen Zeichen durcheinander sind. Es geht um das Meistern der unglaublich kurzen Zeit des Ausatmens zu Beginn und am Ende des Lebens. Um bei der Geburt einzuatmen, bekommt man Hilfe und singt das A. Wenn man stirbt, visualisiert man mit dem Ausatmen das A. Die Freude beim Geboren werden und die Trauer beim Sterben sind allesamt Verwirrungen des Herzens. Man sollte sich nicht freuen. Man sollte nicht traurig sein. Sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft liegt der Grund, warum das Siddhaṃ A einem einzelnen Gedanken innewohnt darin, dass, wenn die Zeit eines Menschen gekommen ist, die Mondscheibe im Herzen zur Ruhe kommt. Auch wenn dieses Zeitalter vorübergeht, wohnt der wahren Substanz des Siddhaṃ A ein Spirit inne. In der Todesstunde über diese Wahrheit meditieren soll der letzte einzelne Gedanke im Moment des Hinübergehens sein.

In der Jugend sammelt man schlechtes Karma an. Wenn das verwirrte Herz und das Herz korrekter Achtsamkeit durcheinander kommen, sollte man nur den Mund öffnen und ein- sowie ausatmen. Das Ein- und Aus-[Atmen] ist beides der Atem des A. Das ist so, weil sich wundersame Wohltaten mit dem Intonieren des A kundtun.

Das verwirrte Herz wird allmählich ausgelöscht und die wahre Natur wohnt dem Herzen wieder inne. Folglich ist das unveränderliche Herz der Atem wie er kommt und geht. Das A ist das Herz der Erleuchtung eines einzelnen Gedankens. Das ist das innere Erkennen des Birushana 毘盧遮那. Das innere Erkennen des Birushana ist das Erlangen der Erleuchtung im Körper der gegenwärtigen Inkarnation. Das ähnelt Kongôsatta 金剛薩埵, der Dainichi Nyorai befragt, wen er als erleuchtet benennen soll. Der Tathāgata antwortet, dass man die Lehre empfängt, wenn man das eigene Herz kennt wie die Wahrheit. Wenn man das Herz kennt, deutet dies auf die Gabe der Erleuchtung über das A hin. Sodann spricht man ununterbrochen vom eigenen Herzen der Erleuchtung eines einzelnen Gedankens. Auch Daishi und alle Tathāgatas sind an dieser Schwelle hängengeblieben, bis sie die wahrhaftige Erleuchtung erlangten. Es gibt keine unterschiedlichen Wege. Die Erklärung ist, dass es keine zwei Wege bis zur Erlangung der Buddhaschaft gibt. Das Zeichen A kann nur als ein einziges Tor begriffen werden. Alle Tathāgatas, die hunderttausend Bodhisattvas, die Heiligen, die die Lehre weitergeben, werden alle ausnahmslos vom A gesegnet. Auch wenn man dieses Herz nicht versteht, soll man doch darüber sprechen und am Vertrauen arbeiten.

Der Mönch Kongôchi 金剛智 (669-741) erklärt, dass die Menschen, die sich dieser Wahrheit bewusst sind und dennoch an ihrem Vertrauen zweifeln, alle Verbrechen in den Drei Welten aller Buddhas empfangen werden. Sie begehen nach der Lehre Buddhas schwere Verbrechen. Es wird so erklärt, dass sie in jedem Fall in die drei schlechten Pfade[27] fallen sollen. Daher sollte man es hören und darüber hinaus glauben. Man sollte es lernen und damit meditieren. Selbstverständlich darf man die Zeit nicht ohne Inhalt verbringen. Wenn man das Siddhaṃ A gemeinsam mit dem letzten einzelnen Gedanken ausatmet, erscheint auf der Mondscheibe die Welt des Gesetzes der Erleuchtung. Man verweilt in der Leere. In der Umgebung gibt es nichts anderes als die Welt des Gesetzes. Das Herz, die Leere und die Erleuchtung sind alle drei eine Einheit.

Wenn man vom Herzen spricht, so ist das Herz das Herz der Erleuchtung. Die Leere ist nicht immer die Leere. Sie ist das Herz der Erleuchtung eines einzelnen Gedankens. Die Menge der Gedanken ist das Herz der weiten Unendlichkeit. Weil das Herz der Drei Welten nicht erreicht[28] werden kann, sind Anfang, Mitte und Ende nur die Zeitspanne eines einzelnen Gedankens. Auch wenn früher, heute und die Jahre dazwischen sich wandeln, so ändert sich das Herz nicht. Spricht man von gestern und heute, so sind das zwar zwei Dinge und dennoch ist es nur ein Tag. Genauso verhält es sich mit anderen solcher Dinge. Gleichwohl ist der eigene Körper damit ausgestattet. Das Alter zwischen jung und alt ist ungleich der Erscheinung eines Menschen in seinen besten Jahren mit etwa 25 und der Gestalt eines alten zerbrechlichen Menschen. Das Herz ist nur eins. Auch wenn der Mond zunimmt, das Herz bleibt wie es ist. Auch wenn die Jahre verstreichen, so wird das Herz nicht älter. In dieser Manier nennt man dies eine unendlich lange Zeit oder den einen einzelnen Gedanken während Amida zehnmal angerufen wird.[29]

Auf der Mondscheibe in unserem Herzen in seiner wahren Natur wird die Dauer aller Zeiten erklärt. Durch die Zeit vor und nach dem spirituellen Erwachen wird die Erleuchtung schnell oder langsam erkannt. Es ist wie das Messen einer sehr langen Zeit, die vergeht und sich doch nicht wandelt. Die lange oder kurze Zeit zur Erleuchtung und die Geschwindigkeit des Erlangens der Erleuchtung ist nur ein einzelner Gedanke des Herzens der Erleuchtung. Folglich gleicht die Wahrheit des im Grunde Nicht-Erschaffenen des Siddhaṃ A der Erleuchtung. Die Wahrheit des Nicht-Erschaffenen Augenblicks ist die unendliche Reise unseres Herzens. Vergleicht man dies mit der unendlichen Welt der Leere, so ist das, als würde man das unendliche Inkarnieren des Herzens der Erleuchtung ausdrücken. Spricht man vom Herz der Erleuchtung, ist das so, als würde man es namentlich kennen. Nenne es Buddha oder fühlendes Wesen, es ist so, als würde man es kennen und doch nicht kennen. Wenn man es kennt, benennt man seine wahrhaftige Weisheit. Kennt man es nicht, nennt man es einen verhafteten Gedanken. In einem Sūtra-Text steht dazu, dass man durch verhaftete Gedanken tiefer in das Saṃsāra hineingerät und dass man infolgedessen abhängig von der tatsächlichen Weisheit die Erleuchtung beweist. Aus diesem Grunde sinkt man entweder durch verhaftete Gedanken in das Saṃsāra oder man erlangt durch die wahrhaftige Weisheit das Erwachen[30] und die Klarheit. Daishi 大師 (774-835) hat erklärt, dass dies so sei, ob es jemand weiß oder nicht. Wir und die Menschen werden den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt aus vergangener Zeit ohne das Erkennen dieser Wahrheit nicht verlassen. Es ist wichtig, alle Dinge zu verwerfen und die gesamte Aufmerksamkeit des Herzens auf die kontemplative Meditation zu lenken. Die Praxis der Dinge, die eine Form haben ist hart und zudem noch schwer zu erreichen. Die Praxis der Dinge die keine Form haben ist einfach und führt schnell zur Erleuchtung. Anstelle in den vier Verhaltensweisen[31] herumzubummeln, sollte man visualisieren. Die Meditation der Drei Mysterien ist nur ein Augenblick des Siddhaṃ A. Wenn man denkt, dass es schwer ist, braucht man bei der Meditation nur die Aufmerksamkeit auf den Lotus der eigenen Natur zu lenken. Auch wenn die Meditationspraxis des Mahāyāna gering geschätzt wird, erscheint dieser mit Sicherheit zur Todesstunde. Schnell sollte man sich von den Zweifeln des Herzens abgrenzen und sich schnell für die Erleuchtung des Herzens entscheiden.

So wie in den Drei Welten alle Buddhas und Bodhisattvas die fünf Opfergaben der Askese darbringen, handhaben wir es heute genauso. Mit einer Duftmischung[32] das Herz reinigen; wundersame Zweige und Blätter bei unzähligen Ritualen; gute Verdienste mit duftendem Räucherwerk; das Essen und Trinken der Früchte der Tugend; das Klären der Weisheit. Diese Opfergaben finden im eigenen Herzen statt. Die zahlreichen Herzen sind das Mandala und der König des Herzens ist Dainichi Son.[33]

Wenn man dieses Zeichen visualisiert, erscheint im Herzen eine achtblättrige Lotusblüte in weißer Farbe. Auf dieser Lotusblüte ist eine Mondscheibe. In der Mitte der Mondscheibe befindet sich in der Größe von 3,03 cm[34] ein goldenes Siddhaṃ A. Von dort erstrahlt ein weißes Licht und erleuchtet die unendlichen Welten. Es entfernt im Körper der fühlenden Wesen alle Begierden der Dunkelheit des Herzens. Man soll dieses Zeichen stehend visualisieren. Diese Mondscheibe gleicht dem hohl erscheinenden Innenleben einer Kristallkugel. Die Mondscheibe ist die Weisheit. Das Siddhaṃ A ist die Wahrheit. Die Kontemplation erfolgt wie oben beschrieben. Die kontemplative Meditationspraxis soll man im Gehen, Stehen, Sitzen und im Liegen durchführen.

Hier eine weitere Leseprobe aus der Dissertation von Mark Hosak

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